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in Kooperation mit
Arbeitsgruppe "Kriegskind"
Diakonisches Werk Württemberg
Lutherischer Weltbund (DNK/LWB)
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Kriegsbeschädigte Biographien und allgemeine VergangenheitsbeschweigungMit der Registrierung von Sachschäden und dem Body-count ist man in Kriegen relativ schnell fertig, doch schon bei Bürgerkriegen geht das nicht so schnell. Aber die anderen Verheerungen werden nur selten erfaßt: Die Erlebnisse der jungen Menschen, Kinder, Jugendliche, (junge) Soldaten. Sie erleben in der sensiblen Phase früher Persönlichkeitsbildung Störungen, deren Auswirkungen das ganze weitere Leben überschatten können.
Die Nichtwahrnehmung dieser Erlebnisse durch die Umwelt wird verschärft, wenn Tabu-Bereiche
berührt werden: Während die Bombennacht im Bunker noch mitteilbar ist, ja, mit anderen geteilt
wurde, so ist die auf den einzelnen gerichtete Aggression durch Folter und Vergewaltigung, aber
auch die erzwungene Zeugenschaft bei solchen Ereignissen kaum mitteilbar, weil die bloße
Erinnerung die Qualen der Vergangenheit reaktiviert und ein mühsam erreichtes brüchiges
seelisches Gleichgewicht destabilisiert.
Ein vergleichbares Tabu wurde durch die besondere Schuld Deutschlands bewirkt: Die Kriegsgreuel und die Vernichtung der Juden und anderer als Untermenschen ausgegrenzten Gruppen übertraf alles bisher gekannte. Wie konnte man als Vertriebener, als Vergewaltigte, als zu Untaten verführter junger Mensch seine Leiden dagegenhalten, wo man doch zumindest in Kollektivhaftung mitverantwortlich, vielleicht sogar selber schuldig geworden war? Bei vielen Menschen sind diese Erlebnisse noch oder wieder lebendig. Was kann man tun, um sein Leben "auf die Reihe" zu bringen? Als individuelle Lösung bieten sich selbst im Alter noch Psychotherapien an. Doch verlangen diese Schicksale nicht auch nach öffentlicher Anerkennung der "Opferleistung"? Muß es nicht möglich sein, ohne die Kriegsverbrechen gegeneinander aufzurechnen und ohne materielle Ansprüche zu erheben, diese fürchterliche europäische Vergangenheit über die Grenzen hinweg gemeinsam zu beklagen, um den Erinnerungen einen anerkannten Raum zu geben? Kann nicht vielleicht ein Sinn darin gefunden werden, daß erlebtes Unrecht und erlittene Unmenschlichkeit als warnendes und einigendes Menetekel verstanden werden, um die Gefahr zu bannen, die von dieser finsteren Konstante des Menschenmöglichen ausgeht? Wir wollen diesen Fragen auf unserer Tagung nachgehen. Dabei soll der Umgang mit kriegsbeschädigten Biographien ganz allgemein im Vordergrund stehen, also auch die Opfer der aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen berücksichtigen. In irgendeiner Weise therapeutisch auf Betroffene einzugehen, wird nicht möglich sein. Allerdings soll besondere Aufmerksamkeit der "Vergangenheitsbeschweigung" als einem speziell deutschen Phänomen gewidmet werden, damit auch diese Kriegstrümmer nicht weg-, aber doch aufgeräumt werden können.
ProgrammMontag, 19. November
14.00 Anreise, Kaffee/Tee/Gebäck
14.30 Gedächtnis als individueller und
kollektiver Deutungsversuch
Zentralrat der Juden in Deutschland, angefragt
15.30 Was war, was bleibt?
Die Rezeption kollektiver Opferschicksale
durch die historische Wissenschaft,
Dr. Ortfried Kotzian, Augsburg, angefragt
16.30 Pause
17.00 Ökonomie und Ethik von Kriegsfolge-
lasten und Opferkompensation
Prof. Dr. Peter Koslowski, Hannover
18.00 Abendessen
19.00 Konstituierung der Arbeitsgruppen
21.00 Tagesausklang im Café Heuss
Dienstag, 20. November
8.00 Andacht
8.30 Frühstück
9.00 Die Rolle der gesellschaftlichen
Anerkennung des Leidens in der
Trauma-Bearbeitung
Dr. Gisela Perren-Klingler, Visp, Schweiz
Alles was recht ist ...
Möglichkeiten und Grenzen
des Rechtsfriedens
10.00 Trauma-healing and Reconciliation
William Saa, Liberia
11.00 Pause
11.30 Die Vergangenheit verstehen
und die Zukunft gestalten
Ein deutsch-polnisches VersöhnungsprojektDr. Gustav Bekker, Elsterwerda
12.30 Mittagessen
Alles was recht ist ...
Möglichkeiten und Grenzen
des Rechtsfriedens 14.00 am Beispiel der Ex-DDR
Marianne Birthler,Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik
15.00 Kaffee/Tee/Gebäck
15.30 Arbeitsgruppen
Fortsetzung der Arbeit von Vortag
18.00 Abendessen
19.00 Auf dem Weg zum inneren Frieden?
Die Arbeitsgruppen formulieren Essentials für Biographiearbeit und für den öffentlichen historischen
Bewußtseinsprozeß
21.00 Tagesausklang im Café Heuss
Mittwoch, 21. November
in memoriam Premysl Pitter
8.00 Andacht
8.30 Frühstück
9.00 Politik mit Opfern - Opfer der Politik
Dr. Eva Hahn, Apen
10.00 Gedächtnis als Ohnmacht und Macht
Dr. Alena Wagnerová, Saarbrücken
11.00 Pause
11.30 Phoenix - Auferstehung aus der Asche?
Die Zukunft der Völker Europas und die Lehren
aus seiner verheerten GeschichteHans Koschnick, Bürgermeister a. D., Bremen
12.30 Mittagessen
Ende der Tagung
Tagung No: 65 11 01
Kosten
Bei späteren Absagen berechnen wir ein Ausfallgeld von DM 185,00, soweit wir Ihren Platz nicht anderweitig besetzen können.
Anreise
Hinweise
Tagungsadressen
Evangelische Akademie Bad Boll
73087 Bad Boll www.ev-akademie-boll.de Tel.: 0 71 64 / 79 - 0
Tagungsleitung: Dierk Schäfer
Sekretariat: Magdalena Hummel
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Letzte Änderung: 13-AUG-2001
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